» Grindel leuchtet «

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Der Grindel gedenkt der Opfer der Pogromnacht.
Eine Anwohner-Initiative

Am 9. November 2014 jährte sich zum 76. mal der Tag, an dem die Ermordung und Verschleppung von Millionen Juden ihren Anfang nahm: Während der Pogromtage, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 begannen, wurden in Deutschland 400 Juden erschlagen und Tausende misshandelt, als Nazis ihre Wohnungen und Geschäfte überfielen. In den darauf folgenden Jahren wurden 10.000 Hamburger Juden sowie Mitglieder anderer verfolgter Minderheiten in Konzentrationslager deportiert und ermordet.
Die Vielzahl der »Stolpersteine«, die in den letzten Jahren im Hamburger Grindelviertel verlegt wurden, weckt die Vorstellung, wie dieses Quartier wohl aussehen könnte, wenn all die Menschen, deren Kinder und Enkel, heute noch hier leben würden. Ebenso drängt sich die Frage auf, wie es möglich war, dass so viele Menschen damals einfach wegschauten, als man ihre Nachbarn abholte.
So entstand 2013 die Idee, stellvertretend für unsere verschwundenen Nachbarn am 9. November mit brennenden Kerzen auf die Straßen zu den »Stolpersteinen« zu gehen und diese Menschen mit einem leuchtenden Gedenken zu ehren.
Ich (*) lebe mit Unterbrechungen seit 30 Jahren hier im Grindelviertel und habe mich beruflich und privat oft mit dem Thema Judentum, Shoa und Israel beschäftigt. Kürzlich habe ich ein Jahr in Tel Aviv gelebt und die Stadt anlässlich ihres Centennials fotografisch dokumentiert. Zusammen mit Freunden, die sich dem Grindel verbunden fühlen, wurde beschlossen, die Aktion »Grindel leuchtet« ins Leben zu rufen. Mit Flugblättern und persönlichen Kontakten haben wir die Bewohner darüber informiert und vorgeschlagen, am 9. November ab 16.30 Uhr mit Kerzen in den Händen bei den Stolpersteinen ihrer ehemaligen Nachbarn zu gedenken. (*) Amos Schliack

Grindel leuchtet - 2015

[4. März]  Seit heute gibt es vor dem Haus Bornstraße Nr. 32 zwei Stolpersteine im Gedenken an Jettchen und Siegfried Moses. Der Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine eigenhändig.

Zwanzig Jahre hat das Ehepaar Siegfried und Jettchen Moses im Haus Bornstraße Nr. 32 gewohnt. 1937 musste das Ehepaar ausziehen, die folgenden Jahre zogen sie mehrfach um. 1942 wurden sie im Alter von 71 und 62 Jahren nach Theresienstadt deportiert. Siegfried Moses starb dort am 1. Dezember, seine Frau überstand fast zwei Jahre im Ghetto, am 15. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz transportiert und dort ermordet.

 

Grindel leuchtet - 2014

Auch im zweiten Jahr hatte unsere Aktion großen Zuspruch. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr erreichten uns diesmal weniger Fotos, dafür gibt es drei Videos, das Video vom NDR war ausschnittsweise auch in der abendlichen Tagesschau zu sehen.

Ein Auszug aus der Jüdischen Allgemeinen vom 13. November 2014:

NACHBARSCHAFT Dann erobert »Grindel leuchtet« den Platz, und Hunderte von Kerzen zeichnen den Grundriss der ehemaligen Bornplatz-Synagoge nach. Ein ergreifendes Bild, das sich weiter durch das Grindelviertel zieht, das Viertel, in dem bis in die 40er-Jahre blühendes jüdisches Leben herrschte mit der großen Synagoge, der Talmud-Tora- und der Höheren-Töchter-Schule, koscheren Lebensmittelläden und Restaurants, mit jüdischen Geschäften in einer guten Nachbarschaft mit Nichtjuden. Bis zum 9. November 1938.

Schräg gegenüber dem Joseph-Carlebach-Platz zündet Joelle Pruss-Romagossa eine Kerze vor einem Stolperstein an. »›Grindel leuchtet‹ ist eine gute Aktion, sie müsste nur noch offizieller sein und durch alle Stadtteile gehen«, sagt ihre Mutter Eva Pruss-Romagossa und erzählt, dass sie die Pogromnacht als Lehrerin auch mit ihren Schülern thematisiert hat. »Das ist wichtig, der Holocaust darf nicht vergessen werden, damit er nicht wiederkehrt«, sagte sie.
Heike Linde-Lembke

Hier ist der Link zum NDR-Video.

Ein sehr schönes Video stammt von Ute Hensel & Roberto Rotondo aus dem Grindel:

Und dies ist das Video vom Hamburg Journal:

Daneben gibt es aktuelle Beiträge  zum Thema im Web:

Gedenkaktion "Mahnwache und STOLPERSTEINE putzen"  in Leipzig

Hinweis auf unsere Aktion bei haGalil.com - Jüdisches Leben online und bei Grindel-Blog

 

aus der Budni-Kundenzeitschrift

aus der Budni-Kunenzeitschrift

Kerzen und Diverses bei Budni

Kerzen und Diverses bei Budni

Unser Flyer ist fertig!

Unser Flyer ist fertig!

2013 - so wurde im vergangenen Jahr der Pogrom-Opfer gedacht




Gleich geht’s los! Und das Wetter scheint mitzuspielen! Wir sehen uns auf den Straßen des Grindel, ich bin sehr gespannt!“, schrieb Meike Bruhns am Nachmittag des 9. November 2013 auf Facebook, kurz bevor an diesem Tag die Sonne um 16:31 Uhr unterging und die Aktion „Grindel leuchtet“ begann. Und sie wurde nicht enttäuscht: „Mit hunderten Kerzen haben Anwohner des Hamburger Grindelviertels am Samstagabend zum 75. Jahrestags der Pogromnacht an die vom den Nazis ermordeten Juden erinnert“, schrieb das Hamburger Abendblatt am folgenden Montag. „Sie stellten Kerzen an Dutzenden Stellen neben die Stolpersteine, die vor den Häusern auf die ehemaligen jüdischen Bewohner in diesem Viertel hinweisen.“
„Ich bin noch ganz überwältigt“, sagt Initiator Amos Schliack. Der Fotograf aus der Rappstraße hatte zuvor gemeinsam mit Freunden seine Idee per Handzettel und Plakaten bekannt gemacht. „Auf großangelegte Zusammenarbeit mit Medien wurde bewusst verzichtet, es sollte eine ganz private Initiative der Anwohner bleiben“, sagt er. Und das war es auch.
Hunderte von Menschen, nicht nur Anwohner, kamen und stellten sich und ihre Kerzen vor die Hauseingänge oder gingen durch die Straßen, darunter viele Familien mit Kindern. Schliack: „Das hat mich besonders berührt, wenn Eltern auf Fragen ihrer Kinder antworteten und ihnen erklärten, was es mit diesem Abend auf sich hat und was hier vor 75 Jahren geschah.“

Besondere Anziehungspunkte: Die Talmud-Tora-Schule und der Joseph-Carlebach-Platz. Viele Passanten bildeten mit ihren Kerzen einen großen Kreis, die den Platz, auf dem bis 1939 die Hamburger Bornplatz-Synagoge gestanden hatte, in ein ganz besonders Licht tauchten. Ein spontanes „Konzert“ der ukrainischen Sängerin Anna Vishnevskaja sorgte zusätzlich für unvergessliche Augenblicke.
Das fand auch der Oberrabbiner Shlomo Bistritzky, der auf einen Sprung vorbei kam, um die Aktion, die ja nicht von seiner Gemeinde, sondern von überwiegend nichtjüdischen Bewohnern getragen wurde, zu würdigen.
„Kein Stein bleibt heute allein“ – dieses spontan entstandene Motto des Abends soll nicht das letzte Mal gegolten haben. Viele Mitmacher bekräftigen ihre Absicht, auch im nächsten Jahr wieder mit Kerzen des 9. November zu gedenken, und das nicht nur im Grindelviertel. „Auch in anderen Stadtteilen mitmachen!!“ postete Petra Pokorny. Denn von den 4572 Hamburger Stolpersteinen des Künstlers Günter Demnig (insgesamt sind es europaweit derzeit 42500, und es werden täglich mehr) befindet sich nur der kleinere Teil im Grindel, denn auch in anderen Quartieren wohnten jüdische Mitbürger. Von den 20000 Hamburger Juden, die vor 1933 hier lebten, gelang es 10000 auszuwandern, die meisten der übrigen wurden ermordet. Die Straßen des Grindel („Klein Jerusalem“) waren die letzte Sammelstation vor ihrer Deportationen.

Einige spontane Beiträge von der Facebook-Seite 'Grindel leuchtet'

Ariela Ben-Yehuda
Wunderschöne Bilder und ein ganz tolles Projekt!


Dina Sierralta
Ich habe eben von der Aktion Grindel leuchtet im Radio gehört. Jetzt brennt
auch hier im Generalsviertel neben dem Stolperstein vor unserer Tür eine Kerze.

Barbara-Marie Mund
Wie gut, dass es das Gedenken gibt.

 

Weitere Beiträge und Aktuelles von der Aktion 'Grindel leuchtet' sind hier auf der Facebook-Seite zu finden.

Das Echo in der Presse



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Die Foto-Galerie

Zum Vergrößern bitte einfach ein Bild anklicken

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Der Flyer zur Aktion

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Den Flyer können Sie hier als PDF herunterladen.
Wir schicken Ihnen gern eine Druckvorlage des Flyers
und unseres Posters in hoher Auflösung zu.

Die Geschichte des Grindel

 

Das Grindelviertel in Hamburg-Rotherbaum ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts das Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg, in der Hansestadt lebten bis 1933 mehr als 20000 Juden. Ihr religiöser Mittelpunkt war die Bornplatzsynagoge, die während der Tage nach der Pogromnacht 1938 von den Nazis erst verbrannt und dann völlig abgerissen wurde. An ihrer Stelle errichteten sie einen Bunker.

An diesem Ort, dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz, steht das Synagogen-Denkmal der Künstlerin Margrit Kahl. Die gleich daneben gelegene Talmud-Tora-Schule wurde 1942 geschlossen, seit 2007 befindet sich darin der Kindergarten und die Grundschule der Jüdischen Gemeinde. Die Synagoge der heute 4000 Hamburger Juden ist an der Hohen Weide.
An das jüdische Alltagsleben vor 1933 erinnern heute nicht nur die zahlreichen Stolpersteine, sondern unter anderem auch das Café Leonar, ein typisches jüdisches Caféhaus, wie es damals viele gab, mit einem jüdischen Salon, in dem Literaturlesungen stattfinden.
Die jüdische Tradition liegt dem religiösen Oberhaupt der Hamburger Juden, Landesrabbiner Shlomo Bistritzky, am Herzen: „Wir müssen wissen, wo wir herkommen, um zu erkennen, wohin wir gehen sollen“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Netzwerk Jüdische Geschichte und Kultur in Hamburg

Netzwerk_Folder_CoverNeben den verschiedenen Gedenkorten, die an Hamburgs jüdische Vergangenheit erinnern,
widmen sich zahlreiche Einrichtungen, Projekte und Initiativen der jahrhundertealten jüdischen
Geschichte und Kultur und tragen so auch zum Entstehen einer neuen jüdischen Gegenwart
in Hamburg bei. Neben Forschungs- und Bildungseinrichtungen zählen Geschichtswerkstätten,
Gedenkstätten, kulturelle Einrichtungen und mehrere jüdische Gemeinden zu den Akteuren auf
diesem wichtigen Feld Hamburger Geschichte und Gegenwart. Für den interessierten Laien ist
es nicht immer einfach, sich einen Überblick über das vielfältige Angebot zu verschaffen. Dieses
reicht von Ausstellungen, über Vorträge bis hin zu Friedhofsführungen, Seminaren oder Stadtrundgängen.
Das Netzwerk Jüdische Geschichte und Kultur in Hamburg, ein loser Zusammenschluss
der an jüdischen Themen interessierten Einrichtungen, setzt sich für den Austausch zwischen den
verschiedenen Anbietern und die Bekanntmachung ihrer Angebote ein. In dieser Broschüre stellen
sich daher insgesamt 34 Einrichtungen, Initiativen und Projekte mit ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern, Themenschwerpunkten und öffentlichen Angeboten vor.
Die Broschüre können Sie hier als PDF herunterladen.

Links zu den Themen »9. November« und »Holocaust«

  • Website des Künstler Gunter Demnig, dem Initiator der Stolperstein-Aktion
  • Die Hamburger Stolperstein-Site mit diversen Suchfunktionen und hinterlegten
    biographischen Daten der Opfer
  • Ein Link zu einem interessanten Artikel von Jürgen Sielemann mit Fragen und
    Antworten zum Thema »Reichskristallnacht«
  • Institut für die Geschichte der deutschen Juden - zur Website
  • Webseite der Hamburger Bürgerschaft zum Thema »9. November«
  • Der 9. November - ein Datum, an dem es viele historische Ereignisse gegeben
    hat, ein interessanter Beitrag, zu lesen bei Wikipedia
  • Zur Website des Tel Aviv Centennial-Projektes
  • Und - last but not least - hier geht es zur Facebook-Seite von »Grindel leuchtet«